das sind duffy und pauline – eine stockente und ein fasan

ente oder nicht?
Angekündigt wurde mir eine Ente. Bekannte hatten bei Petersdorf auf Fehmarn ein winziges Küken eingefangen, das allein über die Straße irrte. Dann kam das Foto, und der Schnabel war eindeutig kein Entenschnabel: Es war ein Fasanküken, erst ein paar Tage alt. Es bekam den Namen Paulchen. Die ersten Tage war Paulchen allein, sehr anhänglich, und ich habe ihn viel herumgetragen.
Ein paar Tage später kam Duffy, diesmal wirklich eine Ente: ein Stockentenküken, das mir gebracht wurde, ebenfalls von der Insel.
erst picken, dann lieb gewinnen


Die ersten Wochen lebten die beiden bei uns drinnen im Warmen, mit Stroh und Wärmelampe. Picken und Trinken musste ich ihnen erst beibringen, und zwar jedem auf seine Art: Fasane trinken lieber an hängenden Pick-Tränken, Enten aus einer Schale.
Kennengelernt haben sich die beiden mit dem Schnabel. Erst haben sie sich angepickt, um herauszufinden, wer der andere ist. Dann haben sie sich lieb gewonnen. Sie sprachen zwar verschiedene Sprachen, haben sich aber super verstanden. Auch später, als sie im Garten unterwegs waren, riefen sie sich mit Quak und Piep über die Entfernung und fanden sich wieder. Und beide nahmen alles in den Schnabel, was sich ausprobieren ließ.

ein herz und eine seele

Duffy und unsere Hündin Luna waren ein Herz und eine Seele. Am liebsten lag er bei ihr im Fell.
Überhaupt wollte Duffy überall mit hin: rüber zu den Nachbarn und mit auf den Hundespaziergang durch die Felder. Oft wollte er im Kragen getragen werden, sonst flitzte er selbst hinterher. Touristen hielten sogar extra an und fragten: „Wissen Sie, dass Ihnen eine Ente hinterherläuft?“ Gebadet hat er in einer kleinen weißen Schale auf dem Tisch, später in immer größeren Pools.

paulchen, der kein paulchen war


Paulchen blieb lieber im Garten. Nach den ersten Flugversuchen saß er gern auf dem Zaun oder auf seinem Holzstamm und behielt den Überblick. Manchmal flog er auch über den Zaun, stand dann aber jedes Mal draußen am Tor und wartete, dass man ihn wieder hereinließ. Warum er nicht einfach zurückgeflogen ist, habe ich nie verstanden. Die Nachbarn haben ihm dann das Tor geöffnet, und er lief fröhlich zu Duffy und pickte weiter. Damit vorbeikommende Menschen ihn in Ruhe ließen, bekam Paulchen einen Ring – genau wie Duffy.
Mit der Zeit wechselte Paulchen sein Gefieder, und dann war klar: Paulchen ist eine Henne. Aus Paulchen wurde Paulinchen, unsere Pauline.
pauline zieht aus
Fasane brauchen am Anfang sehr viel Nähe. Dann werden sie schnell selbstständig und gehen auf Abstand, und das ist eine gute Voraussetzung für die Auswilderung. Pauline zog als Erste aus. Sie lebt auf dem Feld und im Knick an einer Scheune hinterm Dorf, hat sich einem Hahn mit mehreren Hennen angeschlossen, läuft regelmäßig durch den Garten unserer Nachbarn und besucht uns auch vorn im Garten.
duffy und der dorfteich

Duffy ging weiter mit uns spazieren, auch zum Dorfteich, wo andere Stockenten lebten. Die ersten zwei Male sind wir unterwegs umgedreht, weil er sich noch nicht so weit traute. Beim dritten Mal kamen wir an. Duffy schaute sich die anderen Stockenten interessiert an und tapperte ins Wasser.
Ich habe zwei, drei Stunden am Ufer gesessen und zugeschaut, wie er langsam zu den anderen hinschwamm und sie ihn beschnupperten. Ein Weibchen schloss sich ihm gleich an. Als er schließlich mit den anderen Enten aus dem Teich ging, um zu schlafen, habe ich mich verabschiedet.
Besucht habe ich ihn danach regelmäßig. Gegenüber vom Dorfteich liegt ein Hof mit eigenem Teich, dort werden die Stockenten einmal am Tag gefüttert. Das Futter kannte Duffy schon von zu Hause, und er schnabbelte fleißig mit. Manchmal machte er es sich in der Scheune im Stroh gemütlich. Erkennen konnte ich ihn immer gut: Duffy war sehr hell und blieb auch nach dem Gefiederwechsel heller als die anderen Stockenten bei uns im Dorf. Und wenn ich ihm am Dorfteich Mehlwürmer mitbrachte, schnabbelte er sie weg, während die anderen Enten die unbekannten Würmchen wieder ausspuckten. Er ist glücklich und zufrieden.
Genau darum geht es, wenn man Wildtiere aufzieht: Am Ende sollen sie frei sein und nicht mehr bei einem wohnen. Über jeden Besuch freue ich mich trotzdem sehr.
gut zu wissen
- Stockenten-Erpel haben einen grün schimmernden Kopf und einen gelben Schnabel, die Weibchen sind beigebraun gemustert und haben einen orange-grauen Schnabel. Außerhalb der Brutzeit, im sogenannten Schlichtkleid, sehen die Erpel den Weibchen und Jungvögeln ähnlich.
- Fasane gelten als standorttreu und bleiben meist in einem Umkreis von wenigen Kilometern. Die Henne brütet allein und zieht die Küken ohne den Hahn auf; die Küken laufen schon vom ersten Tag an mit, da sie zu den Nestflüchtern gehören.
Quellen: NABU – Stockente, Wildbrücke – Fasan
