igel annabell und charly

Seit Jahren kümmere ich mich um Igel, die Hilfe brauchen. Zwei von ihnen möchte ich dir hier vorstellen: Annabell und Charly.
ein jahr voller igel
Igel brauchen nicht nur im Winter Hilfe. Im Herbst tappert der Nachwuchs los. Im Winter kommen kranke Igel nicht in den Schlaf. Im Frühjahr müssen manche nach dem Winterschlaf erst wieder auffuttern. Und im Sommer, wenn es zu wenig Wasserstellen gibt, sind manche Igel dehydriert.
einmal auf den kopf gestellt

Jeder Igel bekommt zuerst einen Gesundheitscheck. Ohren, Mäulchen, Pfoten und Stachelkleid werden genau angeschaut, und eine Kotprobe kommt unters Mikroskop. Manchmal ist auch ein Röntgenbild wichtig. Erst dann weiß ich, welche Behandlung der Igel braucht. Dabei arbeite ich mit einem Tierarzt zusammen. Für jeden Igel führe ich ein Tagebuch mit Gewicht und Medikamenten.
Die meisten Igel brauchen vor allem Wärme, Zuneigung und viel Pflege. Dazu gehören Medikamente, je nach Behandlung bis zu dreimal am Tag, Saubermachen und manchmal ein medizinisches Bad. Freiwillig baden Igel nämlich nicht gern. Wenn sie so weit sind, ziehen sie ins gesicherte Außengehege, halten dort ihren Winterschlaf und gehen im Frühjahr nach dem Auffuttern wieder ihrer Wege. Weil Igel sehr ortskundig sind, gibt es beim Auswildern einiges zu beachten.
charly


Charly kam im Sommer zu mir, dehydriert und hungrig. Alle paar Stunden bekam er Elektrolyte gespritzt, bis er kräftig genug war, selbst aus einer Pipette zu trinken. Es ist ein schönes Gefühl, wenn ein Patient wieder eigenständiger wird. Danach hat Charly fleißig losgemampft. Nach zwei Wochen war er wieder stabil und konnte an seinem Fundort ausgewildert werden.
annabell


Annabell ist Jule im Herbst vor die Nase gelaufen. Sie war winzig und federleicht. Die Kleine brauchte Wärme und auch menschliche Nähe, am liebsten auf dem Arm. Bei so kleinen Igeln muss man das Futter genau dosieren, damit das Stachelkleid gleichmäßig wächst.
Als Annabell ihr Gewicht für den Winterschlaf erreicht hatte und schon anfing, ein Nest zu bauen, zog sie ins Außengehege. Dort trug sie fleißig Nistmaterial in ihr Häuschen und ging schlafen. Im Frühjahr ist sie nach einem kleinen Auffuttern munter losgezogen.
jule und die igel

Jule hat einen echten Igelradar und entdeckt jeden Igel in ihrer Umgebung. Sie liebt Igel. Am liebsten würde sie sie anknabbern, aber das lässt sie lieber. Stattdessen versucht sie, mit ihrer Nase so dicht wie möglich dranzuschnuffeln.
igel gefunden – was tun?
Igel sind Wildtiere und stehen unter Naturschutz. Aufnehmen darf man sie nur, wenn sie krank oder verletzt sind. Hilfe braucht ein Igel zum Beispiel, wenn er eingefallene Flanken hat, tagsüber umhertorkelt, sich nicht zusammenrollt oder offensichtlich verletzt ist. Dann hol dir Hilfe bei einer Igelstation oder einem Tierarzt. Weiterhelfen können auch Igel-Gruppen, zum Beispiel bei WhatsApp, und die App Wildtier SOS.
Bis dahin setzt du den Igel am besten in einen Pappkarton mit Zeitungspapier. Gib ihm zerknülltes Zeitungspapier dazu, damit er sich verstecken kann. Gib ihm niemals Milch, nur Wasser, und das auch erst, wenn er ausreichend aufgewärmt ist.
gut zu wissen
- Igel gehören in Deutschland zu den besonders geschützten Tierarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz.
- Verletzte, hilflose oder kranke Igel dürfen aufgenommen werden, um sie gesund zu pflegen. Dabei sollten Igelexperten oder Tierärzte zu Rate gezogen werden.
Quellen und mehr über Igel: NABU – Der Igel im Porträt, Pro Igel – Checkliste Fundigel, App Wildtier SOS, NABU – Igelfreundlicher Garten
